FALLSTUDIE: Zwirbler – erster Facebook-Roman

Mark Zuckerberg hat Anfang des Jahres verlautbart, dass er dieses Jahr jede zweite Woche ein neues Buch lesen will. Bei dieser Challenge geht es ihm vor allem darum, mehr über andere Kulturen und Lebensanschauungen sowie über Geschichte und Technologie zu lernen. Er hat dafür eine eigene Facebook-Seite mit dem Titel „A Year of Books“ angelegt, auf der er mit seinen Fans und den Autoren gemeinsam das jeweils gelesene Buch diskutiert und sich dort neue Bücher vorschlagen lässt. Mit dem ersten Buch ist er bereits durch und mehrere tausend Menschen haben sich an der Diskussion beteiligt.

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Dass sich Facebook und Literatur nicht unbedingt ausschließen, das hat der Wiener Autor TG mit seinem Projekt „Zwirbler“ bewiesen. Am 1. Juli 2010 startete er den 1. Facebook-Roman und erfand damit eine „gänzlich neue Form der Literatur: interaktiv & real-time. Erdacht und geschrieben in und auf dem sozialen Netzwerk, gemeinsam mit 16.000 Fans. In Statusmeldungen verdichtet zu max. 420 Zeichen.“, so beschreibt es der kladde I buchverlag, der den Roman nun zu Papier gebracht hat.

Mit Hilfe der Fans konnten über EUR 15.000 via Crowdfunding für Zwirbler eingesammelt werden und nun gibt es den Facebook-Roman als gedrucktes Buch, als E-Book, als Hörbuch und in einer Special-Edition auf Klo-Papier. Vorerst aber nur auf Deutsch. Ich empfehle Mark Zuckerberg daher schleunigst unsere Sprache zu lernen, damit er diesen Meilenstein der Literatur noch in diesem Jahr im Zuge seiner Book-Challenge lesen kann. Falls er das nicht schafft, kann er sich zumindest am Design des Buches ergötzen. Denn Zwirbler ist auch ein Genuss für’s Auge und daher für den „Förderpreis für junge Buchgestaltung 2015“ nominiert.

An diesem Projekt sieht man, dass das Soziale Netzwerk nicht nur für Katzenfotos und virtuelle Geburtstagswünsche gut ist, sondern sehr viel mehr dort möglich ist. Oder um es mit den Worten von Zwirbler auszudrücken: „Die dunkle Erfindung Facebook macht ihn kreativ, schließlich findet er hier alles, was er braucht.“ (aus Statusmeldung 404 | 10. Mai 21.01 Uhr).

Dieser Artikel ist zuerst am 28.01.2015 auf fisch+fleisch mit dem Titel „Facebook und Literatur schließen sich nicht unbedingt aus“ erschienen.

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